Fachtagung zum Thema: Objekttheater
Figuren, Dinge, Objekte
„Sie nehmen ihren Platz auf den Bühnen des zeitgenössischen Theaters ein: die Puppen, die Dinge, die Objekte, und sie erzwingen einen Diskurs der sich mit ihnen verändernden Ausdrucksformen. Dieser Diskurs macht einer emotionalen und metaphorischen Sprache Platz, wagt sich weit über den der ‚reinen Darstellung' hinaus und befragt unter anderem die Rolle des Schauspielers aus Fleisch und Blut neben der des Spielers aus Holz oder Pappmaché. Wer animiert welchen fremden Körper?“
(Silvia Brendenal)
„Die gegenwärtige Theaterszene scheint von einem Gespenst heimgesucht zu werden: dem Gespenst der Puppe. (und - man möchte ergänzen - dem Gespenst des Objekts, d.V.). Sie erscheint in verschiedener Gestalt in Stücken mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Dies zeugt von der Ausdrucksvielfalt einer Theaterform, von der man bis heute allzu gern glaubt, sie sei in ihrer eigenen Tradition stecken geblieben oder allenfalls dazu geeignet, ein unwandelbares Repertoire an Kinderstücken anzubieten. (...)
Ist das moderne Puppentheater in Bezug auf sein traditionelles Image nur schwer zu bestimmen, so verschärft sich dieses Problem bei der Definition von Objekttheater um einiges. (...) Wie kann man das Objekttheater bestimmen? Oder, zunächst einmal gefragt: Wie kann man ein Objekt bestimmen, in Bezug auf wen oder was? Zur Debatte steht eine Theaterform, in der die althergebrachten Rollen von Subjekt und Objekt vertauscht sind: Das Objekt ist nicht länger Theaterrequisit und ebenso wenig ein formgewordenes bildnerisches oder ästhetisches Konzept: Es ist vielmehr der Ausgangspunkt für die Frage: »Wer spricht und worüber?« (...) In dieser Theaterform spricht das Objekt seine eigene Sprache und es zeigt, dass der Wunsch oder vielmehr die Überzeugung des Subjekts, stets im Zentrum der Handlung zu stehen, denselben Einschränkungen unterworfen ist wie die, denen die Objekte unterliegen. Die Entdeckung dieser gemeinsamen Existenzbedingungen von Subjekt und Objekt schafft die Unterscheidung zwischen verbaler und visueller Sprache ab.“
(Brunella Eruli)
- Welche Faktoren bedingen die Attraktivität des Objekttheaters?
- Wodurch wird das Objekttheater wirkungs- und rezeptionsästhetisch interessant bzw. wodurch ruft es beim Zuschauer dieses besondere Interesse an den "mobilen Dingen" hervor?
- Wie stark könnte die Theaterpädagogik/das Schultheater von dem Aufwind des Objekttheaters “profitieren„?
- Welche besonderen ästhetischen und pädagogischen Chancen bietet das Spiel mit Objekten für das Schultheater?
Diese (und andere) Fragen stehen im Mittelpunkt der Fachtagung am 17.09.2007 in Wolfsburg
Impulsreferate:
- Prof. E. Podehl (Hannover)
- Prof. D. Reuter (Braunschweig)
In zwei „Theorie-Workshops mit praktischen Beispielen“ mit den Referenten und drei „Praxis-Workshops“ am Nachmittag der Fachtagung soll das „Objekttheater“ diskutiert bzw. erprobt und hinsichtlich seiner Relevanz für das Schultheater untersucht werden.
In fünf moderierten Fachforen (M. Schmidt, H. Hilpert, Dr. L. Klepacki, Th. Lang, A. Studt) an drei weiteren Tagen werden zudem die Produktionen des SDL an Hand intensiver Stückbesprechungen unter den oben genannten Gesichtspunkten diskutiert und gewürdigt.
Die Diskussionsergebnisse der Fachtagung werden im "Fokus Schultheater 07" in der edition der Körber-Stiftung veröffentlicht.
Verantwortlich
Volker Jurké und Dieter Linck (BV DS)